„WASSERWALD“ – Inhalt und Leseprobe

ISBN 978-3-902952-64-6
Bayer Verlag 2018
Taschenbuch
450 Seiten, 19,50 €

Das Team des oberösterreichischen Landeskriminalamts rund um Arno Rack ist gefordert – eine Serie von Morden setzt die Kriminalisten unter Druck. Eine Leiche in einem Linzer Kleingartenverein, eine ermordete Joggerin im Linzer Wasserwald, ein Blutbad im Stadtteil Pichling – gibt es Zusammenhänge zwischen den Verbrechen? Wird es der Abteilung Leib & Leben gelingen, die Täter zu überführen?

Zwischen Südbahnhofmarkt und Wasserwald recherchiert detailreich und hingebungsvoll ein Team aus Erfolgreichen und Gescheiterten, aus Tarockspielern und Läufern, aus Mühlviertlern und Linzern, aus Progressiven und Konservativen.

Eingebettet in Linzer und oberösterreichisches Lokalkolorit beginnt ein gnadenloses Katz-und-Maus-Spiel…

 

»Ein kunstvoll aufgebauter, spannender Krimi mit einer ungewöhnlichen Story und einem überraschenden Ende.«
ERNST KARNER

»Wie bei einem Puzzle legt der Autor Stein um Stein und konfrontiert den Leser mit den Abgründen eines Verbrechens. Das Finale des beinahe schon beängstigenden Thrillers entspricht ganz und gar nicht dem Krimi-Mainstream.«
JÜRGEN DANZMAYR

»Ein packender und mitreißender Thriller voller staunenswerter Wendungen.«
OÖ NACHRICHTEN

 

LESEPROBE:

Nick blickte auf den verrenkten Körper, der etwa vier Meter unter ihm lag. Die Frau bewegte sich nicht. Das sah nicht gut aus.
Nikolaus Aerchen – wurde aber nur Nick genannt – war seit 30 Jahren Bergretter und gehörte damit zu den Erfahrensten. Mit fünf Bergkameraden vom Bergrettungsdienst Spital am Pyhrn hatten sie einen zweistündigen Aufstieg hinter sich. Mit ihnen waren zwei Sanitäter und ein Notarzt gekommen. Es war ein durchaus nicht alltäglicher Einsatz. Die zentrale Bergrettung hatte um 09.11 Uhr auf der Nummer 140 einen merkwürdigen Notruf erhalten. Merkwürdig deshalb, weil die Anruferin nur ein einziges Wort gesagt hatte. »Hilfe!« Normalerweise beschrieb der Anrufer eines Notrufs, wo er sich befand, bzw. wo er weggegangen war oder wo sein Ziel lag. Und vor allem, warum er in einer Notlage war. Der Anruf war von einem Handy gekommen, daher konnte man es orten und sie hatten auch ein ziemlich genaues Ziel, als sie aufgestiegen waren.
Und als er nun hinunterblickte auf die reglose, am Bauch liegende Frau mit einem Rucksack am Rücken, hatte er ein ganz flaues Gefühl im Magen. Womöglich war sie nicht mehr am Leben. Sie lag auf einem Felsvorsprung. Um zu ihr zu gelangen musste man sich ein paar Meter abseilen, denn von unten schien es keinen Zugang zu geben.
»Tom«, fragte er den Arzt, »steigst du mit mir ab?«
»Eh klar«, war die sofortige Antwort. Tom war begeisterter Bergsteiger, wie er.
Sie seilten sich an, und begannen den kurzen Abstieg. Gesichert wurden sie von ihren Kameraden. Als sie bei der Frau waren, beugte sich Dr. Thomas Endscheri über die Frau. Er tastete am Hals nach ihrem Puls. Bekümmert zog er die Stirn in Falten. Tastete am Handgelenk.
»Kein Puls«, seufzte er, »komm, hilf mir, sie umzudrehen.«
Vorsichtig drehten sie die Frau auf den Rücken. Oh, mein Gott! Nun war am ersten Blick zu sehen, dass die Frau tot war. In ihrem Schädel klaffte ein riesiges Loch. Franz untersuchte sie oberflächlich.
»Ich würde sagen, die hat keinen einzigen heilen Knochen mehr am Leib. Sie muss aus großer Höhe gestürzt sein.«
Sie blickten die Felswand hoch.
»Na, wenn sie hier heruntergestürzt ist, waren das gute 200 Meter«, sagte Nick.
»Ja, so wird’s wohl gewesen sein«, bestätigte Tom.
»Siehst du irgendwo ihr Handy?« fragte Nick.
»Nein, wahrscheinlich hat sie es eingesteckt, ich schau mal nach.«
Nachdem er die Taschen ihrer Hose und der Jacke durchsucht hatte, meinte er »nein, nichts zu finden.«
Nick machte sich über den Rucksack her. Er fand einen Ausweis.
»Sie hieß Christiane Rüger, Studentin. War 24 Jahre alt. Mein Gott, noch so jung…«
Nachdem er den Rucksack weiter durchsucht hatte, fand er auch das Handy. In einer Außentasche.
»Merkwürdig…«, sinnierte er.
»Was ist merkwürdig?« fragte Tom.
»Na, wann hat sie wohl damit angerufen?«
Ratlos sah ihn Tom an.
»Was meinst du?« fragte Nick nochmals, »Wann hat sie angerufen?«
»Meinst du die Uhrzeit? Die kannst du unter ‚abgehende Anrufe‘ sehen.«
»Nein, ich meine nicht die Uhrzeit. Sondern die Situation.«
»Die Situation?«
»Schau mal. Hat sie angerufen, bevor sie abgestürzt ist? Dann hätte sie angerufen, hätte dann das Handy in Ihren Rucksack gesteckt und wäre dann abgestürzt. Sie konnte aber doch vorher nicht wissen, dass sie abstürzen würde.«
»Naja…«
»Oder sie war bereits abgestürzt und hat dann erst angerufen.«
»Ausgeschlossen! So, wie sie zugerichtet ist, konnte sie nach dem Sturz keinesfalls mehr telefonieren. Sie muss sofort tot gewesen sein.«
»Ja, eben…«
»Es kann wohl nur so gewesen sein, dass sie vor dem Absturz schon in Not geraten war. Und dass sie deshalb angerufen hat. Vielleicht, weil sie den Weg verloren hatte, oder weil sie sich irgendeine andere Verletzung zugefügt hatte.«
»So wird’s wohl gewesen sein«, sagte Nick nachdenklich, »jetzt müssen wir sie aber bergen.«
Sie seilten den Leichnam vier Meter hoch. Sie entschieden, dass sie die tote Frau – sie wog ohnedies kaum 50 kg – bis zur Kutterer Hütte auf einer Bahre tragen würden. Von dort konnte sie ein Geländewagen ins Tal bringen.

 

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